Interview Subculture

Interview Subculture

Du hast schon seit deinem sechsten Lebensjahr einen sehr engen Bezug zu Musik, hast viele Instrumente gespielt und dich sehr intensiv mit verschiedenen Stilen wie Klassik, Jazz oder modernere Musik auseinandergesetzt. Inwiefern haben dich diese Erfahrungen beeinflusst, vor allem im Bezug auf deinen eigenen musikalischen Werdegang? Und wie bist du dann zur elektronischen Musik gekommen?
Viele der genannten Stile waren für mich immer viel interessanter als die Charts im Radio und ich wollte oft gar nichts von den modernen Pop Sachen wissen. Während meine Mitschüler in der 5ten Klasse schon die Bravo Hits im Loop hörten, lauschte ich noch anderen Klängen. Doch mit einer Klassenfahrt und der ersten Disco hatte sich ein Schalter umgelegt ;o) Da bohrte sich ein Bass quer durch meine Magengrube und eroberte sofort meine Ohren. Es war zwar billiger Dancefloor aber dieses straighte monotone Bassgewitter war einfach umwerfend. Etwas später entdeckte ich auch die undergroundigen Technosachen fernab vom Mainstream. Ich war begeistert wie ein Jeff Mills oder ein Roberto Q Ingram ihre Dj-Skills nutzten um aus einigen Stücken wahre Geschichten zu erzählen. Kurzum brachte ich mir selber das mixen bei und startete mit den ersten Gehversuchen beim Produzieren. Ein gewisser Background wie zum Beispiel die Noten- und Harmonielehre konnte mir aus den alten Tagen hilfreich sein. Zumal in meinen straighten Technoproduktionen auch sehr viel Melodien stecken. Aber ein sehr gutes Beispiel für die Anwendung von einem etwas anderen Musikinstrument ist immer noch der Song „Journey To Jimi“ wo meie E-Gitarre endlich mal ihren Platz gefunden hatte.Du kommst aus Berlin, hast aber mit dem allgemeinen Berlin Hype um Bar25, Berghain etc. nicht viel am Hut. Gewollt, oder ist es in Berlin schwierig, gerade durch die enorme Masse an Artists, überhaupt ernst und wahr genommen zu werden? Oder wolltest du dich mit Absicht von dieser großen Seifenblase, die irgendwann platzen wird, distanzieren?

Es ist einfach mal die Hauptstadt in Sachen elektronischer Musik und was mir wohl am besten gefällt ist, dass hier sehr viele Produzenten, Sänger, Labelchefs etc. wohnen. Man kann sich schnell in einem Café treffen – über neue Projekte reden und vielleicht sogar anschließend im Studio die Sachen umsetzen. Der Hype ist mittlerweile zu einem Easyjet Raver Phänomen geworden und so sind nicht Berliner sondern eher Touristen in den Clubs unterwegs. Das könnte früher oder später zu weit gehen und die vielen Clubs, Open Airs und unglaublichen Partys könnten ihren Reiz verlieren. Ich finde die Leute sollten sich auch mal näher mit den anderen großen Städten beschäftigen. Was zur Zeit in den osteuropäischen Metropolen abgeht ist schon sehr geil – da kommt man sich manchmal schon wie in den 90ern vor als noch die alte Fabrik von nebenan ganz schnell für die nächste illegale Party Platz bot.

Wie wichtig ist deiner Meinung nach das Networking über Portale wie Myspace, Facebook etc. geworden? Immerhin lässt diese Virtuelle Welt viel Platz für Selbstinszenierungen und Fake Charakter, über die man im wahren Leben wahrscheinlich einen weiten Bogen gemacht hätte. Oder ist es eher eine Frage, inwieweit man das virtuelle Networking nutzt?

Ich glaube, dass die meisten Künstler dieses Thema zu sehr unterschätzen, da sie sich lieber mit ihrer Musik auseinandersetzen wollen. Aber heutzutage hilft nicht nur, der gute Mix zum Download, man muss den Leuten auch eine gute Verpackung anbieten. Also in erster Linie mit Bandseiten auf MySpace / Facebook und Soundcloud punkten und dann noch alles in einem gleichen Design präsentieren. Das frisst schon unheimlich viel Zeit und mich nervt es manchmal auch überall immer schön frisch und aktuell rüberzukommen aber gerade allen Newcomern rate ich dieses Mittel zu nutzen, denn sonst werden nur wenige auf euch aufmerksam.

Bereits 2003 hast du das Projekt Tagträumer2 gegründet und mit dem Tresor eine erste Plattform gefunden, um dich einem großen Publikum zu präsentieren. Erzähl uns kurz von der Zeit und stagnierte die Entwicklung ein bisschen, bis 2007 mit „Capisce“ der erste Track released wurde oder waren diese vier Jahre wichtig um Erfahrung und Inspiration zu sammeln?

Die Inspiration war da wohl eher Nebensache, vielmehr war es der Umzug nach Berlin, der mir einige Weichen stellte. Im darauf folgenden Jahr starteten meine Freunde und ich auch die Partyreihe im Tresor und begannen ebenfalls unser eigenes Label „BlackFoxMusic“ vorzubereiten. Bei meinem ersten Track sollte ja auch alles stimmen und so standen auch vorher einige zur Auswahl aber diese wollte ich noch nicht rausbringen. Bei Capisce hatte es aber sofort Klick gemacht und da drängelten die Dj-Kollegen ebenfalls, dass das Ding mal auf Vinyl gepresst werde sollte. Es brauchte also etwas Zeit aber ich bin froh, dass gleich die erste Single so erfolgreich war.

Der Track „Capisce“ im Jahr 2007 öffnete viele Türen in alle Welt und brachte ebenfalls viele Remixanfragen mit sich. War es schwer, dass auf einmal eine gewisse Erwartungshaltung auf dir lastete oder hast du es eher als einmalige Chance gesehen, die Musik zum Beruf zu machen?

Die Erwartungshaltung steht vor allem bei den Remixanfragen an erster Stelle. Die meisten Musiker verbinden, den Tagträumer² Sound ja mit einem Stück und manchmal habe ich das Gefühl sie erwarten eine 1 zu 1 Kopie. Bisher war es aber so, dass von den Elementen des Remixes nur noch Bruchstücke übriggeblieben sind und somit fast ein neuer Song entstanden ist. Sowas braucht natürlich viel Zeit und ich bin wohl nicht der Typ, der in 2 Tagen so einen Remix fertig schraubt. Mit den neuen Produktionen, Auftritten und der Promotion schwindet natürlich die Zeit für andere Sachen wie unseren Veranstaltungen und vor allem die Arbeit für unser Label. Also alles gar nicht so einfach die Sachen alle unter einem Hut zu bringen, doch wenn der Erfolg letztendlich stimmt, weiß ich dass ich die richtige Entscheidung mit der Musik getroffen habe.

Letztes Jahr hast du dich zudem vermehrt deinem Live Set Konzept gewidmet, mit dem du auch auf große Tour gegangen bist. Wie wichtig ist dir selbst, dass du dich stetig weiterentwickelst und nicht auf einem Punkt stehen bleibst? Und was für Pläne, vor allem im musikalischen Sinne hast du noch?

Tja da können wir mit dem Live-Set mal gleich loslegen. Letztes Jahr war es schon sehr cool mit dem ersten Live-Set in Ländern wie China, Polen und in England auf Tour zu gehen. Die ersten Gigs waren eigentlich nur Tests aber das Live-Set wurde bis zum Ende der Tour immer weiterentwickelt. Nur störte mich dieses Jahr ganz gewaltig, dass vor meiner Nase nur ein Laptop und ein Controler steht. Irgendwie muss da doch noch mehr sein und so würde ich das neue Live Set viel lieber als Band Charakter sehen. Aber das braucht wie immer viel Zeit und somit will ich bei der neuen Tour mehr als Dj aktiv sein. Das Liveset binde ich bei einigen Auftritten ein und will vor allem die neuen Songs auf die Leute loslassen.

In diesem Jahr wirst du wieder auf große Welttournee gehen und auch für einen Gig in der Stuttgarter Finca zu Gast sein. Was hast du schon über die Stuttgarter Szene so mitbekommen oder ist das für dich gänzlich neues Terrain?

Es ist schon ziemlich merkwürdig, dass ich in jeder größeren Stadt in Deutschland schon gespielt habe aber für Stuttgart und sogar für Baden Württemberg wird es eine kleine Premiere. Bei der Szene muss ich in erster Linie an Martin Eyerers Label denken aber auch an ziemlich gute Beats undheftige Konzerte von den Fantastischen 4 ;)

Letzte Worte, Statements, Grüße oder Ansagen?

Ein Kompliment geht hier an die Crew von Yes Events, die mit dem Club Finca wohl die perfekte Location für die Tour gefunden haben. Ansonsten freue ich mich auf alle die am 10. September zu Gast sind und jeden Neugierigen die mal auf den Seiten mehr über Tagträumer² erfahren wollen:

www.tagtraum-music.com